90 Billions – Tina Schürmann

Sie steht bedeutenden Schauspielern und Lifestyle-Kunden mit Rat und Tat zur Seite und ist dabei selbst eine Persönlichkeit

mit dem Hang zur spontanen Perfektion. TINA SCHÜRMANN, Agentin und PR-Beraterin der Spitzenklasse,

erzählt von Sehnsüchten und ihrem Helden John Lennon, exklusiv bei „90 BILLIONS“!

Angenommen Dein Leben würde auf einen kleinen Zettel passen, was stünde drauf?

Sehr schwierig! (schmunzelt)

Roter Faden, ganz viel rechts und links ausprobiert, bodenständig, alles zu seiner Zeit und auch gerne mal verrückt.

Das hört sich wie eine Pro- und Contra- Liste an!

Stimmt. (lacht) Das liegt daran, dass ich Skorpion bin und mein Aszendent der Stier ist, sehr gegensätzlich. Mein Job bringt Struktur und Disziplin mit sich, privat liebe ich es freigeistig und gehe auch mal gern bis an meine Grenzen.

Lieb haben oder Liebhaberin?

Ich glaube, ich bin eine gute Liebhaberin. Aber ich habe auch gern lieb: meine Freunde, die Dinge, die ich tue und meinen Hund! (lacht)

Du vertrittst in Deiner Agentur namhafte Schauspieler, hattest Du nie selbst den Drang vor der Kamera zu stehen?

Nein, nie. Ich ziehe lieber die Fäden im Hintergrund. Die vielen Castings, sich immer vor der Kamera beweisen zu müssen, dieser Druck und auch mal Zeiten auszuhalten, wo es kein adäquates Filmprojekt gibt – das bewundere ich sehr an Schauspielern. Ich selbst brauche meinen täglichen, immer wiederkehrenden Tagesablauf. Das ist dann meine Basis, um zwischendurch auch mal ausbrechen zu können. So hat jeder seine ganz eigene Art, mit dem Leben klarzukommen.

Professionalität bedeutet für Dich?

Zuverlässigkeit, Disziplin, Stärke, Authentizität, Kritikfähigkeit, Neugierde und immer an sich zu arbeiten!

Und leben?

In eine Spelunke zu gehen und verschiedene Szenen kennenzulernen, die mir fremd sind – das finde ich spannend. (lacht)

Tina, Deine beste und schlechteste Erfahrung war?

 Wenn es einem richtig schlecht geht und ein echter Freund für mich da ist- das gehört bestimmt zu meinen besten Erfahrungen. Schlechte Erfahrungen macht man mit Menschen, die partout keinen Rat annehmen wollen und nicht erkennen, dass man es gut meint.

Dein Held ist?

Eindeutig John Lennon! Er ist für mich ein Prophet.

Warum gerade John?

Weil er jemand war, der versucht hat das Leben zu verstehen und starre Strukturen und Denkweisen zu durchbrechen. John Lennon hat die Musik revolutioniert und das Leben ausprobiert. Er hat mit seiner Musik versucht, die Welt ein wenig besser zu machen.

Und wie machst Du die Welt ein wenig besser?

Indem ich ehrlich sage, was ich denke, versuche, verantwortungsbewusst zu handeln und bei Elend nicht weg zu schauen. Ich interessiere mich für Menschen und Einstellungen und halte mich somit für alles und jeden offen.

Tina, Du hast Psychologie studiert. Was glaubst Du, wie haben sich die menschlichen Ansichten verändert?

Das ist momentan sehr spannend, seit ca. zwei Jahren hört man verstärkt das Wort „Nachhaltigkeit“. Durch Naturkatastrophen oder der Wirtschaftskrise findet ein Veränderungsprozess in den Köpfen der Menschen statt.

Nur muss ich sagen, dass leider in Berlin ein negativer Veränderungsprozess der Ansichten stattfindet- und zwar durch die zunehmende Spießigkeit. Das macht mich wahnsinnig wütend. Ich bin hier mal hergezogen, weil hier eine große Toleranz herrschte und das Motto war: Leben und leben lassen- und zwar jeder nach seiner Façon.

Und wie erklärst Du Dir das Phänomen Burn-Out?

Viele Menschen sind unter finanziellen Druck gesetzt und haben Angst um ihre Existenz. Das bedeutet, dass sie das Gefühl haben über die Maßen hinaus arbeiten zu müssen, damit sie ihren Job oder ihr gesellschaftliches Standing nicht verlieren. Oft finden sie kein Ventil, um diesen Druck loszuwerden. Man muss sich aber Auszeiten gönnen bzw. einen Punkt setzen. Das ist professionell und das sollte auch jeder Chef seinen Angestellten zugestehen, denn nur so kann Letzterer auch die gewünschte Leistung erbringen. Zum Glück geht der Trend in Deutschland dort hin.

Sehnsucht nach?

Das kann ich hier nicht sagen.(lacht)….Nachdem ich seit über zehn Jahren in Berlin ein aufregendes Leben gelebt habe, würde ich mir nun gern ein Nest bauen. Aber ich befinde mich noch in der Sondierungsphase! (grinst)

Was macht gute PR aus, in einer Zeit, in der es schon mal alles gab und man übersättigt ist? Wie kann man noch begeistern?

Ich finde es ganz wichtig, einen Künstler als Mensch und in seiner Lebensweise zu verstehen. PR gelingt ohnehin auf Dauer auch nur, wenn man so authentisch wie möglich auftreten kann. Ich will niemanden glatt machen!

Eine gemeinsame Schnittmenge zu finden ist nicht einfach. Was tust Du, um mit Menschen eine Linie zu finden?

Indem ich mich erst einmal mit meinem Gegenüber beschäftige, zuhöre und als Beobachter fungiere. Irgendwann finde ich dann einen Ansatzpunkt und eine gemeinsame Schnittmenge.

Im Umgang mit vielleicht schwierigen „Künstlern“, hast Du was gelernt?

Man muss sich entscheiden!(lacht)

Wenn der Künstler und Kunde beratungsfreundlich ist, kann man hervorragend miteinander arbeiten. Alles andere kommt für mich nicht mehr in Frage.

Gibt es noch echte Talente?

Ja, durchaus. Ich will nur mit echten Talenten arbeiten. Wenig Talent und viel PR funktioniert leider auf Dauer gar nicht. Außerdem muss ich an jemanden in vollem Umfang glauben können.

Was erwartest Du noch?

Ich möchte gerne mehr reisen, andere Kulturen kennenlernen, ein Haus auf einer Insel besitzen und ich hätte gerne soviel Geld, dass ich alles Schöne mit meinen Freunden teilen kann.

Na dann, lass uns Freunde werden!

VISIT: Tina Schürmann

Text: Jan Luckenbill Hair & Make Up: Betty AmrheinAssistent: Fred van Fairy Photos: Oliver Rath