90 Billions – Timo Jacobs

Facettenreich, Sympathieträger und Gewinner des Deutschen Filmpreises,

TIMO JACOBS!

Früher DJ, von Regisseur Klaus Lemke entdeckt, erobert er nun „90 BILLIONS“ und demnächst auch die deutschen Leinwände mit seinem ersten eigenen Kinofilm KLAPPE COWBOY!

Wir wollen mehr vom Innenleben eines Jacobs erfahren. Also, wenn Du ein Gemälde wärst, wie würdest Du es beschreiben?

Bunt, gelb-schwarz, im Hintergrund geht ein krasses Leuchten auf. Im Vordergrund sind lachende, verschmitzte Gesichter, bei welchen man nicht weiß, ob sie Schadenfreude oder totale Verzweiflung ausdrücken. In der Mitte des Bildes karamboliert alles, wird undefinierbar und erweckt dann trotzdem eine Harmonie von Form und Rhythmus, die reine Melodie ist.

Warum aber schwarz-gelb, diese Kombination gilt meist als Warnsignal?

Nein, finde ich nicht. Das eine bedingt das andere. Schwarz hat etwas melancholisches und Gelb bedient den positiven, hoffnungsvollen Part. Die Mischung macht es aus!

Bist Du immer Du? Und wenn Dein Du nicht Du ist, wer ist es dann?

Ich bin du, du bist ich. Sie sind die Wellen, ich bin der Ozean.

Aber zu sein wer man ist, bedeutet?

Frei, unmittelbar und ohne vorherige Wertung zu sagen was man denkt. An der Reaktion des Gegenübers erkennt man sich selbst. Mit genügend Liebe geht das immer…oder auch nach ein paar Schnäpsen. (schmunzelt)

Ein depressiver Realist?

Depressiv nein, phantastischer Realist mit der Leidenschaft zur Perfektion.

Drückt sich wie aus?

Ich bin viel unterwegs und erkenne an anderen Menschen meine eigenen Fehler. Um diese überwinden zu können, braucht es eine mörderische Verantwortungslosigkeit gegenüber sich selbst.

Das ist oft hart, aber so lerne ich.

Im Spiegel siehst du? Und würdest doch viel lieber sehen…?

Einen tollen Typen!(lacht) Ich bin sehr im Reinen mit dem was ich sehe. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Akzeptanz ist mir wichtig.

Vater Studienrat, Mutter Sozialpädagogin und Du Schauspieler! Hast Du kämpfen müssen, um ernst genommen zu werden?

Meine Mutter war immer auf meiner Seite. Mein Vater auch, aber ich bin bei ihm groß geworden und war eben ein Paradiesvogel. Er hätte sich wohl lieber einen sicheren Weg vorgestellt, mit festen Strukturen. Aber ich musste meinen „Kopf“ immer durchsetzen und als er sah was dabei heraus kam, war er schon „volle Lotte“ stolz.

Früher war ich ein Skater und bin mit meinem Bmx-Bike um die Welt gezogen, habe es in der Ernährungslehre versucht und mich schließlich sehr bald in dem gefunden, was ich heute bin. Ich glaube, das stimmt meine Eltern äußerst zufrieden.

Zuckerbrot oder Peitsche?

Es geht um den Balanceakt! (grinst)

War Romeo der ideale Lover für Julia?

Auf jeden Fall! Er hat sie todglücklich gemacht, was gibt es mehr in der Liebe.

Wenn nicht, hättest du an seiner Stelle die Story zu einem „Happy End“ geführt? Verführt?

Ich wäre mit ihr zumindest Hand in Hand gestorben.

Steckt mehr in Dir, als Du vermutest?

Leider sehe ich nicht alles. Das ist aber auch nicht übel, denn so kann ich von mir überrascht werden. Manchmal habe ich Momente, in denen ich der vollsten Überzeugung bin, absolut alles zu verstehen. Was das genau ist, möchte ich aber nicht mit Worten ausschmücken, da es nur Worte unter Worten sind.

Ad Infinitum – ich gebe der Veränderung freie Fahrt.

Welche Dimension muss man erklimmen, um Kreativität in ihrem vollen Umfang zu erleben und zu zelebrieren?

Ich erreiche eine hohe Dimension, wenn ich mir selbst Fallen stelle. Der Flow muss ausdauernd einstimmen, ansonsten ist die Vorstellungskraft gewertet und nicht unmittelbar.

Soll es von alleine fließen, darf ich der Kontrolle keine Chance über meine Gedanken geben. Die Kontrolle ist ein bissiger Hund und beisst einen schneller in den eigenen Schwanz als man gucken kann. …wenn’s klappt gibt’s Rotwein.

Kann man das Maximum in dieser Hinsicht immer erreichen?

Nein, das ist ja die größte Enttäuschung. Daher kommt ja auch immer diese Unzufriedenheit, die aber gleichzeitig auch Motor dafür ist, um solche Glücksmomente erreichen und spüren zu wollen.

Was schöpfst Du aus der Enttäuschung? Filtern oder Abhaken?

Ich mache mir keine Skizze wie ich es beim nächsten Mal anders machen könnte. Aber es ist klar, dass man die Informationen sammelt und sich dann intuitiv danach ausrichtet es besser zu machen. Leicht gesagt! (schmunzelt)

Faszination für…?

…Frauen, Fahrräder mit großen Lenkern, Christopher Walken, Motorräder, ein soziales Bewusstsein und die schönen Dinge des Lebens. Mich fasziniert die Selbstaufgabe für das Wohl anderer. Bin aber auch ein Lebemensch, liebe die Natur, die Unruhe der Ruhe treibt mich ständig an.

Mich interessieren eckige Typen, weil das für mich eine runde Sache ist. Aber ich versuche mich nicht zu kategorisieren, wer will sich schon limitieren.

Schon mal das Schauspielersein schamlos ausgenutzt?

Mach ich nicht! Es wäre eine Art Flucht und das macht dein Gewissen kaputt. Der Dienst von Schauspielerei ist eben, dass man sich stellt.

Irgendein neues Projekt oder Theaterstück bei dem wir Eintrittskarten abstauben können? Erzähl..

(Lacht)…Ich habe in mühevoller Eigenleistung eine Komödie produziert, die ich gleichzeitig als Regisseur und Hauptdarsteller begleitet, als auch geformt habe.

KLAPPE COWBOY!“ gibt sich Mitte April anlässlich der 8. Ausgabe des Filmfestivals „Achtung Berlin“ die Ehre. Gezeigt werden aktuelle deutsche Kinofilme.

Ein coltaffiner Cowboy hält mal die machogroße Klappe, oder wie?

Na ja, ein größenwahnsinniger Filmemacher, der zwar von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, sich aber so viel  Selbstüberzeugung einredet, dass er der Meinung ist, das Filmbusiness komplett revolutionieren zu können.

Er ist chronisch pleite, aber das kann ihm nix anhaben, weil sein Tatendrang so energisch ist, dass er jeden aussaugt, um an das erwünschte Ziel zu kommen. So wird der Nachbar zum Kameramann und der Spree-Angler  zum Tonmann.

Film ist für ihn Krieg und er gibt als eiskalter Diktator eine hemmungslose Spur vor. Doch sein Gebilde bröckelt und führt ihn direkt in die Katastrophe.

Eine Liebesgeschichte mit einer wahren Künstlerin entfacht und er sticht in ein künstlerisches Wespennest, welches seine dilettantischen Fähigkeiten bei weitem übersteigt.

Und warum Mr. Cowboy noch im Sektenkloster landet und die beiden Pappnasen, also der Nachbar und der Angler, dem Ganzen doch mehr Format schenken, als vorerst angenommen, erfährt man nur beim persönlichen Besuch mit Popcorn und Taschentuch.

Dann mal many Applaus. Klappe die Erste, für TIMO JACOBS!

VISIT: Timo Jacobs

Text & Styling: Jan Luckenbill Hair & Make Up: Betty Amrhein  – Assistent: Fred van Fairy Photos: Oliver Rath