90 Billions – Rosa von Praunheim

Freaks und Sittenstrolche lieben ihn, Priester und Bischöfe wollen ihm den Teufel austreiben, irgendetwas hat Regisseur und Interview-Partner Rosa von Praunheim richtig gemacht…

Freaks and sex fiends love him, priests and bishops wanna drive the devil out of him, something clearly leaded the right way for film-maker and interview partner Rosa von Praunheim…

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Rosa von Praunheim, Regisseur und Leitfigur der Homosexuellenbewegung.

Trotz aktuellen Dreharbeiten an einem Portrait über den Tortenblogger Lo Graf von Blickensdorf fand er die Zeit für ein Interview, vielen Dank!

Ist von Praunheim ein selbstkritischer Regisseur oder eine schillernde Selbstdarstellung? In welchen Momenten verwischen sich die Grenzen?

Beides, beides! Ich liebe schillernde Persönlichkeiten und ich selber bin gerne auch schillernd und selbstkritisch ist immer eine sehr schwierige Sache. Man kann gar nicht selbstkritisch sein, man muss das machen, was man für richtig findet und man weiß nie, wie andere darauf reagieren. Ob man andere amüsiert, ob man andere nachdenklich macht, provoziert, politisch etwas bewirkt, das sind Sachen, die man sich nicht einfach nur so vornimmt! Ich denke man muss authentisch sein.

Das Verhältnis zwischen einer seelisch nackten und dann wieder fast ikonenhaften Inszenierung zeigt sich bei Ihren Filmen wo?

Ich meine, das mit dem ikonenhaft ist immer so eine Sache, ich mach ja keine Werbefilme für jemand, sondern ich glaube schon man muss ein sehr guter Beobachter sein wenn man Filme macht. Aber jemand auf ein Podest zu stellen ist nicht sehr gut für einen Filmemacher, man braucht die Widersprüchlichkeit einer Person und jeder ist in sich widersprüchlich, hat Stärken und Schwächen. Wenn jemand Schwächen zulassen kann, dann ist er für das Publikum auch sympathischer, als wenn er nur seine Stärken zeigt.

Entweder man ist zu nah dran oder zu weit weg, was halten Sie davon und was sind Sie von beidem?

Also, zu nah dran ist etwas, was sehr wichtig ist, wenn ich einen Film über bzw. mit jemand mache, dann brauche ich die Nähe und die Intensität, dass der Andere sich mir auch öffnet. Wenn er sich nicht öffnet, dann ist es zwecklos mit ihm zu arbeiten. Ich hab das Glück, dass ich glaube, viele Menschen öffnen zu können und dass sie mir Dinge sagen, die sie anderen vielleicht nicht sagen würden.

Gibt es verbesserungswürdige Fehler, im göttlichen Sinne?

Also göttlicher Sinn ist für mich erstmal schwer zu akzeptieren, weil ich finde, dass man gewisses Selbstbewusstsein braucht, um kreativ zu sein und das zu machen, was einem Spass macht und das wünsche ich auch jedem. Bei Studenten unterrichte ich, dass auch sie ein gewisses Selbstbewusstsein haben, aber ob das ein göttlicher Sinn ist, erstmal weiß ich nicht was göttlich ist und weiß auch nicht was Sinn ist! Darüber streiten sich ja viele Philosophen.

Ich sag meinen Studenten oft man kann nichts lernen, d.h. erstmal muss eine Sache Freude machen und, wenn das Freude macht und aus sich heraus schöpft und jemand gerne etwas macht, dann ist das gar nicht so verbunden mit Fehlern oder Verbesserung, einfach das Machen zählt. Es ist die Voraussetzung, welche aber auch mit Disziplin zu tun hat.

Ihre Filme weisen Geschichten, Erlebnisse und Charaktere von Herrschaften mit Erfahrung auf, was ist mit der Jugend, soll Sie daraus lernen oder ist das die „Neue Jugend“, sprich eine direkte Protesthaltung gegen das Altern?

Kann ich alles nicht akzeptieren, ich meine Jugend und Alter hat Vor- und auch Nachteile, sind ganz wichtig, aber jede Jugend muss neue Erfahrungen machen, ist geprägt von der Umwelt in der sie aufwächst. Ob politisch, gesellschaftlich, modisch oder die Lieder und die Fernsehshows. In sofern muss die Jugend immer wieder ganz neue Dinge finden bzw. durchsetzen. Das Alter hat sicher den Vorteil, dass man Erfahrung hat, schon vieles gemacht hat, aber selbst da weiter aktiv bleibt. Man kann sich nicht zurücklehnen und sagen man hat so und so lange gelebt und ich bin jetzt besser und toller als andere. Immer wieder neu kämpfen um neue Erkenntnisse, Ideen und Einfälle. Den  Mut weiter zu machen, nicht aufzugeben, das sind für mich interessante Menschen. Viele junge Leute haben leider diese Energie nicht, das ist schade, aber menschlich.

Herr von Praunheim, Sie wollen im zarten Alter von 70 auch zugleich 70 Filme produziert haben. Wie viel Filme braucht es denn noch, um dem Jubiläum nahe zu kommen?

Ich habe bereits 70 Filme produziert, die veröffentlicht sind und zum größten Teil im Fernsehen gelaufen sind und im Kino. Ich habe seit letztem Jahr begonnen neue 70 Filme zu machen, Filme aus meinem Archiv, die noch nicht geschnitten sind, vielleicht sind das so 20-30 Filme die in Bearbeitung sind, wo ich noch Nachdrehs habe. Ungefähr 50 werden neu gedreht, die sind in Arbeit und zwischen 7 und 70 Minuten lang. Ich mache hauptsächlich Portraits, Spiel und Improvisationen kurzer und längerer Art.

Was können wir denn aus ihren Filmen lernen?

Ich weiß nicht, ob man etwas lernen kann oder lernen soll. Ob man überhaupt etwas aus Filmen lernen kann? Ich weiß auch nicht, ob Filme politisch sind, ich weiß aber, dass Filme unterhaltend sind, dass Leute vielleicht begeistert sein können und nachdenklich werden aus kreativen Produkten, aber ob man was lernen kann, da weiß ich auch nicht, ob das der Sinn ist!

Dinge sollen begeistern und Gefühle wecken, ich wünsche jedem die Erziehung um den Sinn für gute und schöne Waren zu entdecken und zu verstehen.

Rosa von Praunheim, director and leading figure of the homosexual movement. Despite recent motion works on a portrait of the Earl Cake-blogger Lo Graf von Blickensdorf, he took the time for an interview, thank you very much!

Is von Praunheim a self-critical director or a colorful self-expression? In which moments blur the boundaries?

Both both! I love colorful personalities and for myself I am happy to be colourful and self-criticism is always a very difficult thing. One can not be self-critical, you have to do what you think is the right way and you never know how others react to it. Whether you amuse the people, whether it makes others thoughtful, is provocative, get political results, these are things that you do not simply plan for! I think you have to be authentic.

In which point is the relationship between an emotionally naked, and then again an almost iconic staging show to be seen your movies?

I mean, the iconic thing is always a tricky one because it is not as if I’m doing commercials for anyone, but I do think you have to be a very good observer if you make movies. But to raise someone on a stage is not very good for a filmmaker, you need the conflict of a person and each one of us is in a contrast, has strengths and weaknesses. If someone is able to admit weaknesses, he is also sympathetic to the audience as if on the contrary he would only show his strengths.

Either someone is too close or too far away, what you think about and what is your position in that?

Well, too close is something that is very important when I make a movie about or with someone then I need the closeness and intensity so the other also opens himself to me. If they do not open, then it is pointless to work with. I am lucky because I believe I am able to let many people open themselves and that they tell me about things they would not tell others, perhaps.

Are there mistakes that are worth improving in the divine sense?

Well, God’s purpose is hard to accept for me in the first place because I think that it takes a certain amount of self-confidence to be creative and do you want to do and that I wish for each one of us. I teach students that they too have a certain self-confidence, but whether that is a divine purpose, first I do not know what is divine and do not know what is sense! That for are argueing so many philosophers.
I often tell my students one can learn nothing, ie first of all one thing has to fill you with joy and when it fills you with joy and draws out of himself, then it is not  too connected with mistakes or improvement, it is just about doing it. It is the requirement, but it is also connected to discipline.

Your movies are filled with stories, adventures and characters of gentlemen with experience, what about the youth, is it supposed to learn from it or is it the „New Youth“, so a direct protest against aging?

All that I cannot accept, I mean youth and age has advantages and also disadvantages, they are very important, but every youth has to make new experiences, is shaped by the environment in which they grow up. Whether politically, socially, fashionably or the songs and television shows. So the youth always has to find new things and accordingly enforce them. The age certainly has the advantage that you have experience, have done a lot, but even then remain active. One can not lean back and say you have lived for so long and that makes me better and greater than others. Again and again fight for new knowledge, ideas and inspiration. The courage to carry on, not to give up, these are interesting people to me. Unfortunately, many young people do not have this energy, which is unfortunate, but human.

Mr. von Praunheim, at the tender age of 70 you also want to look back on 70 film productions. How many films you need for to come close the anniversary?

I have already produced 70 films, which are published and for the most part have been shown on TV and in cinema. Since last year I started to produce 70 new movies, movies from my archive that have not been cut yet, perhapsly 20-30 films are in the production, where I am doing reshoots. Approximately 50 will be filmed again, they are in the production and have a length between 7 and 70 minutes. Mostly I do portraits, act and improvisations in a short and more long way.

What can we learn from your films?

I do not know if you can learn or should learn. Whether anything can be learned from the movies? I also do not know if movies are political, but I do know that movies are entertaining, that people perhaps can be inspired and become thoughtful out of  creative products, but whether someone can learn something, I do not know whether that is the meaning of it.

Things should inspire and arouse feelings, I wish everyone the education to discover and understand the meaning of good and beautiful products.

 Rosa von Praunheim
Interview: Jan Luckenbill – Photos: Oliver Rath


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