90 Billions – Esther Perbandt

Esther Perbandt, ein „Rund-um-die-Uhr-Stehaufmännchen“ und nur lediglich zu 90% eine Fashiontussi.

Im ständigen Kampf mit Uranus und Sinus, kämpft Sie sich heute durch ein Interview mit uns!

 

 

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Wer bzw. was ist Esther Perbandt, eine Marke oder ein vertrautes Schicksal?

Was ist Esther Perbandt, hast Du wahrscheinlich schon genau richtig gefragt. Die Person Esther ist mittlerweile schwer zu trennen von der Marke. Jemand hat mal so schön gesagt „You get what you see!“.

Aber eine Marke hat Grenzen, nach oben, unten, rechts und links, das ist beengend und beängstigend, verneinend. Ich mag ein „JA“ lieber. Dann schon eher ein Schicksal. Aber vertraut? Stellt sich nur die Frage, wem vertraut? Also mir jedenfalls nicht. Bin fast empört und überrascht, wenn ich mal wieder eins vom Leben auf die Zwölf bekomme. Hätte manchmal gerne etwas mehr „Vertrauen“ oder „Vertrautes“, aber, ach, das ist doch auch total langweilig.

Mode und künstlerische Anerkennung, sowie Leben und Tod stehen in welchem Kontext für Dich?

Es geht nicht unbedingt immer nur um künstlerische Anerkennung, obwohl mir das auch wichtig ist. Ich bin besessen von der Angst zu 100% zur Fashiontussi zu werden. Ich finde 90% mehr als kritisch. Deswegen versuche ich immer wieder, mir die restlichen 10% mit Dingen zu füllen, die mich bereichern oder meinen Horizont erweitern. Das sind zum Beispiel die Kooperationen mit Künstlern.

Ich möchte nicht nur Hüllen verkaufen, sondern genauso wie man mit jedem Teil, was man von mir kauft, auch immer ein Stück Persönlichkeit von mir kauft, stülpt man sich dann auch irgendwie eine gewisse Lebenseinstellung über. Keine Sorge, man kann das Teil ja jederzeit auch wieder ausziehen.

Nur wenn plötzlich ein zusätzlicher Stern am Himmel leuchtet, dann kann man sich noch so die Kleider vom Leib reißen, der Stern kommt dadurch nicht mehr zurück.

 

Show oder Understatement?

Show, bei allem anderen würde ich einschlafen. Ich brauche die Extreme.

Die heiße Nadel und der gute alte Faden sind nicht alles, was ist sonst so bei Esther los?

Tja, was soll ich da sagen. Uranus macht auch bei mir ganz schön BimBamBule. Alles, was vor ca. sieben Jahren begonnen wurde, wird aufs heftigste überprüft. Da brauche ich nicht lange überlegen, was damit bei mir gemeint ist.

Keine seichten Sinuskurven, sondern schnelle krasse Pegelausschläge nach oben und unten, so dass ich manchmal richtig Kopfschmerzen habe vom oben anstoßen und dann wieder dolle Fußschmerzen vom unten wieder aufknallen. Ok, also manchmal könnte das natürlich auch am Alkohol und den viel zu hohen Schuhen liegen. Aber nur manchmal!!! (lacht)

Eine Kollektion zu kreieren, fertigen und vermarkten bedeutet…..? Und wie sieht es aktuell aus, so kurz vor der Fashion Week?

Ein „Rund-um-die-Uhr-Stehaufmännchen“ zu sein. Auch, wenn deine Knie blau sind und bluten, einfach wieder aufstehen und weiter rennen.

Ich habe mich diese Saison gegen eine Show entschieden und das hat lustigerweise recht gesunde, aber auch verwirrende Konsequenzen. Ständig geplagt, nicht genug zu tun, nicht genug zu arbeiten, weil man nicht ständig dieses riesige Ziel vor Augen hat. Auf der anderen Seite bekommt jedes einzelne Teil plötzlich so viel mehr Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn man an einer Stelle einfach mal loslässt, wird an einer anderen Stelle wieder Platz und Luft für Neues geschaffen. Anders wäre es nicht möglich gewesen das Feld zu ebnen für die fantastische Zusammenarbeit mit dem Hamburger Regisseur Cristian Straub, mit dem ich zusammen meinen ersten Fashion Film umgesetzt habe. Dieser wird zur Berlin Fashion Week exklusiv präsentiert.

Ein kurvenreiches Dankeschön an Esther Perbandt!

Text: Jan Luckenbill Styling: Henning Schulz Photos: Oliver Rath
Visit: Esther Perbandt


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