90 Billions – Nina Queer

In der Frittenbude begann Ihre Karriere und heute zählt Sie zu den erfolgreichsten und beliebtesten Drag Queens in der deutschen Reinkultur.

Nina Queer, das schmutzige Hobby zählt zu Ihren Vorlieben und selbst dauerläufig hält Sie gekonnt ein Schwätzchen mit „90 BILLIONS“.

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Wie war das in der Frittenbude anzufangen und dann so rasant zum It-Girl der Berliner Szene zu werden?

Im Prinzip ist genau das ja der klassische amerikanische Traum den ich in Deutschland mir erfüllte. Ich kam aus Österreich mit quasi nichts in der Tasche, damals war das kurz vor der Währungsumstellung und es gab große Probleme mit der EU und keiner wusste so genau, darf man jetzt in der EU überall arbeiten. Ich hatte ja nur einen österreichischen Pass noch nicht mal einen deutschen Personalausweis. Das einzige was ich hatte war eine Wohnung und irgendwann hatte ich dann im Imbiss angefangen, weil das der einzige Job war, der mir angeboten wurde und, weil es der Einzige war, dessen Lohn wirklich so schlecht war, dass ihn niemand haben wollte. Also, kein Berliner wollte arbeiten, solang das Arbeitslosengeld besser, als der Lohn am Imbiss war. Ich habe dann da trotzdem angefangen und kleine Partys gemacht, tagsüber schon fleißig Flyer verteilt und siehe da, noch heute kommen Leute zu meinen Partys die damals eine Wurscht bei mir kauften.

Aber rasant war mein Aufstieg nicht, wenn ich mal so ganz trocken meine Businesskurve angucke, die geht jedes Jahr eher ein Treppchen höher.

Ich verdiene mit sehr viel abwechslungsreichen Dingen mein Geld, bin dabei ganz glücklich und es geht ja immer weiter.

Als ungekrönte „österreichische Kaiserin im Preußischen Exil“, was hättest Du besser als die prüde Sissi gemacht? Und wäre Franzl auf seine Kosten gekommen?

Ob Franzl auf seine Kosten gekommen wäre weiß ich nicht so, weil Sissi hatte ja auch ihre Liebschaften, da Franzl immer mit regieren beschäftigt war. Ich glaube, ich hätte es gleich gemacht (grinst), außer dass die Reifröcke bei mir entsprechend kürzer gewesen wären, als bei Sissi.

Wenn Dir jemand „queer“ kommt, reagierst Du wie?

Ich sag mal ich kann gut austeilen, also kann ich auch gut einstecken. Und so lange es nichts mit körperlicher Gewalt zu tun hat, finde ich eigentlich alles ok. Ich kann ganz schön viel ab!

Peinlichste Situation ever?

Die war als ich beim „Belle et fou“ am Potsdamer Platz gearbeitet habe, in diesem Sexballett und ich immer die Show mit den Nackttänzer-/innen ansagen musste. Da gab es mal einen Aussengig anlässlich eines Gauklerfestes am Roten Rathaus und ich konnte die zweite Vorstellung nicht mehr machen, weil ich derart betrunken war, dass ich auch des Geländes verwiesen wurde.

Das war mir sehr peinlich vor tausenden von Leuten, da ich ja die Celine Dion des Potsdamer Platzes war. (lacht)


 

Ein Kompliment das Du oft hörst!

Das ich die schönsten Beine von ganz Berlin hätte und das ich am besten  blasen könne. Aber das ist natürlich klar, nachdem ich das Buch „Dauerläufig“ geschrieben habe, welches eine einzige Werbebroschüre für mein Schlund ist, sollte man sich über dieses Kompliment auch nicht mehr wundern.

(Guckt Oli an und meint) Da wird der ja schon ganz scharf!

Dein frischfleischartiges Alter lässt die kommende Frage eigentlich nicht zu, aber trotzdem, wie gehst Du mit dem Altern um?

Och, mit dem Altern geh ich ganz entspannt um, ich nutze die modernen Techniken des „Happy Anti-Aging“, ich habe nichts dagegen mal so eine kleine Botoxspritze anzusetzen. Eine Operation allerdings käme nie infrage, aber da mache ich mir ohnehin erst in 20 Jahren Gedanken drum, ob ich mir da was straffen lasse.

Spongebob oder Tinker Bell?

Das ist eine ganz schwierige Frage, ich bin ganz großer Fan von Spongebob, aber Tinker Bell heißt auch mein kleiner Hund, also würde ich sagen Tinker Bell, wenn’s sein muss!

Besucht Nina oder Daniel seine Eltern im Kärntner Bergdorf? Gibt oder gab es dort heimliche Liebhaber, von denen die Ehefrauen nichts wissen sollten?

Daniel auf jeden Fall! Obwohl auch da habe ich schon mal eine Ausnahme für RTL gemacht.

Damals als ich noch in Österreich gelebt habe, waren die ganzen Boys, mit denen ich heimliche Liebschaften hatte, noch zu jung zum heiraten. Als die ins heiratsfähige Alter kamen war ich schon längst in Berlin und habe hier mit verheirateten Männern geschlafen.

Wer ist eigentlich Daniel?

Mein Ex-Freund hatte mal gesagt, wenn die Leute wüssten, wie langweilig ich privat sei, würde sich niemand für mich interessieren.

Bleibst Du oft im Stau stecken?

In der Stadt mit meinem Auto ja und andersartig nein, wenn Geschlechtsverkehr gemeint sein sollte. Bei Samenstau bleibe ich allerdings manchmal kleben, anstatt stecken.

Wir danken Nina für eine aufregende Nacht und freuen uns auf Wiederholung!

Interview: Jan Luckenbill Photos: Oliver Rath
 Nina Queer


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