90 Billions – Mario Galla

Eloquent, très charmant und ein einbeiniger Star der internationalen Modelszene,

MARIO GALLA!

 Er weiß genau was er will und reiste eigenst für „90 BILLIONS“ mit viel Gesprächsstoff im Gepäck an…

Mario, Du stehst mit beiden Beinen im Leben, wie hast Du gelernt mit Deinem Handicap „selbstverständlich“ umzugehen?

Es hat sich für mich nie die Frage gestellt, anders damit um zu gehen. Meine Eltern haben mir dies auch in ihrer Erziehung vermittelt, dass ich alles machen und ausprobieren kann. Dadurch wurde ich auch nie ausgegrenzt, ich bin auf dem Land aufgewachsen und auch durch meine Cousins war ich direkt integriert und überall  mit dabei. Relativ spät hatte ich in der Grundschule die ersten Berührungen mit Hänseleien, doch da war ich bereits schon gut im Umgang damit und hatte ein gefestigtes Selbstbewusstsein.

Und Deine Umwelt?

Recht positiv! Da ich viele feste Freunde habe die mir schon immer den Rücken gestärkt haben und für mich eingesprungen sind, falls ich mal in eine unangenehme Situation kam. Es ist natürlich ein riesen Vorteil ein offenes Verhalten mit dem Umfeld zu halten und mein Handicap gleich zu kommunizieren.

Wie viel Enttäuschungen muss man hinnehmen, um mit 25 Jahren eine klare Auffassung von dem zu haben wer man ist und was man sein will?

Ob ich mittlerweile weiß, wer ich bin und wer ich sein will, das bezweifele ich, aber Enttäuschungen muss man einige hinnehmen, ich glaube aber das geht nicht nur mir so, mit Rückschlägen klar kommen zu müssen. Ich habe schon einige Enttäuschungen erlebt, doch bisher wurde ich immer noch vom Glück verfolgt oder habe da jemand der auf mich aufpasst.

Man lernt natürlich im besten Falle daraus, doch haben diese Erfahrungen mich nicht zu dem Menschen gemacht der ich heute bin, zumindest sind sie nicht der „main part“.

Mit Vorurteilen wohl erprobt, prallen diese an Dir ab, doch gerade in der Modebranche ist es hart als „Individuum“.

Welche Kommentare und Diskriminierungen hast Du einstecken müssen?

So was wie „du Krüppel“ oder „ich bin hier doch nicht die Wohlfahrt“, das waren die krassesten Sachen. Ansonsten hab ich viele charmante Bemerkungen erlebt, die mehr der Neugierde nachgingen. Mein erster Besuch in der Modelagentur hatte den Kommentar „was für ein abgefuckter Scheiß ist das denn“,(lacht) zur Folge. Der war aber durchaus positiv gemeint, da man nicht auf die Idee kommt das ich eine Prothese trage.

Ein ganz übles Erlebnis hatte ich in Paris bei einem großen Designer, der mich in seinen Klamotten mochte und als ich mich auszog mich auf das Schlimmste beschimpfte und diskriminierte. Gerade aber in der Modewelt wird Toleranz im großen Maße erwartet. (schmunzelt)

Vorbildfunktion?

Momentan ja und diese nehme ich auch gerne war in gewissen Rahmen. Es ist nicht so, dass ich mich bewusst verbiege für eine Vorbildfunktion. Denn immer noch bin ich Mario Galla und lebe mein Leben ganz normal, mit allen Stärken und Schwächen. Wenn ich trotz dessen für andere ein Vorbild sein kann, finde ich das gut und versuche auch Hilfe zu geben.

Die Tage habe ich wieder eine ganz tolle Mail bekommen, von der ich echt gerührt war, weil dem Mensch anscheinend meine Worte so geholfen haben und ich saß da, – es war eine fast endlose Mail – und dachte mir während dem durchlesen, dass hast du ausgelöst bei einem Menschen.

Dies hat mich dann animiert eine genau so lange Mail zurück zu schreiben.

 

Was stinkt Dir denn so richtig an der Branche?

Schwer zu sagen, oftmals das Heuchlerische. Alle mögen sich, aber hinterm Rücken wird dann doch geredet, davon bin ich kein Freund. Ich bin ein ehrlicher Typ, der auch bereit ist, Kritik zu ertragen.

Obwohl das Klischee der Oberflächlichkeit teilweise natürlich erfüllt wird,  habe ich doch schon viele Freunde gefunden und kann auch tiefgründige Gespräche mit ihnen führen, man trifft auf viele Charaktere die einem den Horizont erweitern können. Es ist nicht immer nur Bussi-Bussi und Prosecco, man kann auch anders! (grinst)

Du studierst Medienwissenschaften, wie reagieren Kommilitonen auf ein bekanntes Gesicht wie Deines?

Ich kommuniziere meinen Bekanntheitsgrad ja nicht, aber mittlerweile ist es schwer geworden unerkannt zu bleiben. Ich erinnere mich noch an das erste Semester, da gab es einen Kurs der nannte sich Recherchestrategien, die erste Aufgabe war die Namen der Gruppenmitglieder zu googeln, ich habe alles drangesetzt das es nicht mein Name wird und alle waren fest entschlossen nach meinem Namen zu gucken, danach musste ich mich dann längere Zeit erklären, alle fragten nach und das war schon etwas unangenehm für mich.

Die prägensten Minuten in Deinem Leben waren?

Oh, gute Frage, da gibt es einige Minuten. Auf die Modelbranche bezogen waren es die ersten Minuten in Mailand im Modelappartement und ganz privat sind es oftmals die Telefonate mit meiner Mutter, die mir dann einen guten Rat mitgibt. Als ich damals am Beginn mit dem Modeln stand, hat sie mir ihre Unterstützung zugesagt und das war dann für mich so ein Moment, bei dem ich dachte, Ok,  jetzt kann´s losgehen. Da wusste ich aber auch noch nicht wie bezahle ich meine Versicherung oder Miete, etc.

Schöne Verpackung oder ernste Absichten?

Ernste Absichten auf jeden Fall, bei allem was ich tu, seh ich immer einen Grund darin, auch wenn der erst hinterher klar wird.

Plauder-Plausch-Time!

Was passiert hinter den Kulissen einer Welt aus Glamour und Schönheitsidealen?

So einiges!!! (lacht)

Ich bin da auch immer der Einzige, der darüber offen redet, andere sind immer so empört. Also, hinter den Kulissen geht die Luzi ab, grade im Ausland mit Drogen, Alkohol und Partys passiert da einiges. Ich habe aber auch schon mit anderen rumgesessen und eine DVD angeschaut. Ansonsten kann man gute Freundschaften finden und richtig gute Konkurrenten, die den Neid auch ausleben. Es ist auf jeden Fall eine bunte Welt und ich finde es cool immer wieder ein Teil davon sein zu dürfen.

Es ist für mich auch etwas besonderes heute hier sein zu können und ein Interview zu führen als Mario Galla und nicht als das Model von…!

Schon mal in den Strudel aus Drogen gelangt?

Ich selber nicht, da ich immer den Grundsatz hatte nie synthetische Drogen zu nehmen.

Wie hält man sich bei diesem Druck auf Kurs?

Man trinkt dann einfach zwei Vodka mehr! (schallendes lachen)

Da ich von Natur aus ein gelassener Mensch bin, komm ich mit Druck gut klar und brauche keinen Ausgleich. Und durch meine Familie und Freunde bin ich sehr geerdet und kann entspannt sein.

Außer vor Kurzem bei dem Casting von Hugo Boss, da war ich enorm aufgeregt ob ich dabei bin.

Single? Kann man in Deiner momentanen Position überhaupt eine Beziehung führen?

Zurzeit bin ich ohne feste Freundin, da ich momentan auch viel unterwegs bin. Ich hatte eine sechsjährige Beziehung und habe das gut mit meiner Ex-Freundin hin bekommen, – es ist auch aus anderen Gründen auseinander gegangen, weil wir es beide nicht mehr als Liebe empfunden haben – doch heute genieße ich meine Freiheit und kann am nächsten Tag in eine andere Stadt fliegen, ohne Rechenschaft abzugeben.

Ganz ehrlich, fühlst Du Dich zum Opfer von Andersartigkeit benutzt, um Schwung in den Laufstegalltag zu bringen?

Na ja, es ist ein zweischneidiges Schwert ich werde ja immer noch teilweise ganz normal als Model gebucht und versuche dann mein Handicap ins Positive zu lenken und was Gutes zu vermitteln. Auf der anderen Seite könnte ich nicht sagen, wenn morgen eine Vivienne Westwood anruft und sagt hast du nicht Lust in Unterhosen eine Kampagne für mich zu machen, ob ich da zusagen würde.

Bei Michael Michalsky war das damals so, da hatte ich auch Bock drauf mal auf dem Laufsteg zu sein und mich darauf zu zeigen, das war eine Bauchentscheidung. Im Endeffekt hab ich soviel davon gehabt, das hät ich mir nie vorstellen können, da es auch eine Ballaballa-Aktion war. Alle meinten Mario, das wird was großes und ich dachte ich bin schon drei Jahre Model und alle wissen das in der Branche ohnehin, was soll da groß passieren?!

Mir war nicht klar, das Michael medial so krass bekannt ist, ich habe vorher auch noch nie eine Berlin Fashion Week gelaufen, da ich immer in Paris und Mailand war und habe die Presse um ihn deshalb nicht so wahr genommen.

Und plötzlich kam RTL und Co. und ich war gar nicht vorbereitet, da ich ja seit nunmehr 25 Jahren mit meiner Prothese lebe, so bin ich relativ naiv an das Interesse meiner „Andersartigkeit“ ran gegangen.

Unerbitterlichkeit ist Gang und Gebe, wie würde ein Galla – als vielgeliebte Muse – mit plötzlicher Zurücksetzung umgehen?

Ich würde erstmal in ein kleines Loch fallen und müsste in mich gehen.

Wenn alle einen feiern und was von einem wollen ist das auch gut fürs Ego, man freut sich extrem und in diesem Falle würde es natürlich einen Dämpfer geben. Dann müsste ich mich schnell wieder fangen und deswegen mache ich auch ein Studium nebenher, um ein zweites Standbein zu haben.

Wohin geht die Reise weiter?

Das frage ich mich auch schon seit zwei Wochen. (schmunzelt)

Ich darf gar nicht viel verraten, es sind ein paar Konzepte zusammen mit einer bekannten Agentur geschrieben und die liegen auf den Tischen großer Kunden, mal gucken was daraus wird.

Mein persönlicher Eindruck ist, Du bist sehr im Reinen mit Dir und ein zufriedener Mensch, was machst Du dafür?

Gar nicht so viel, (lacht) ich pflege meinen Freundeskreis und wenn ich die um mich habe, bin ich ohnehin glücklich. Oder ich mache so Sachen wie heute, mich mit Dir interessant zu unterhalten und mit Oli zu shooten. Jeden Tag etwas neues kennen lernen zu können, dass sind die wesentlichen Aspekte, die mich zufrieden stimmen und glücklich machen.

Lesestunde, mach uns neugierig…!  Galla bringt uns sein junges Leben in dem Buch „Mit einem Bein im Model-Business“ näher, welches Bild von Dir kann man aus diesen autobiographischen Zeilen schöpfen.

Der Leser kann auf jeden Fall meine persönliche Entwicklung sehr gut nachvollziehen, quasi vom Couchpotato der die Sicherheit liebte, zum Mensch der offen auf neue Ereignisse zugeht und sich ins Ungewisse fallen lässt, was für mich eben eine enorme Entwicklung bedeutet hat.

Über das Modebusiness kann man Unbewusstes erfahren und ich versuche Chance aufzuzeigen, die beweisen soll, man muss einfach raus gehen und machen, weil man sonst nie erfahren kann, ob es geklappt hätte.

Bei mir lief auch nicht alles 100% richtig, aber man muss hartnäckig bleiben und an sich glauben, es ist wie dieser billige Satz „live your dream“, aber bei mir trifft er eben gerade zu. Ich lebe meinen Traum, solange er anhält!

Das Sandmännchen wird sofort informiert, mehr Traumstaub für Mario!

Starring: Mario Galla

Text: Jan LuckenbillStyling: Jan Luckenbill Hair & Make Up: aennikinAssistent: Sebastian Marggraf Photos: Oliver Rath

Labels: Esther Perbandt  & Edsor Kronen



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