Respect Monty

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Dave Monty ist ein deutscher Aktionkünstler und Maler. Er ist der Gründer und Namensgeber der East Side Gallery, der größten Open Air Gallery der Welt. 2004 erlitt der Künstler eine folgenschwere Genickfraktur und lebt heute vergessen und verarmt in einem Seniorenheim in Berlin. Sein großer Gedanke, die bis 1989 bestehende Grenzmauer durch Berlin in ein Symbol des Friedens zu verwandeln hat bis heute weltweit viele Menschen berührt und inspiriert. Monty eröffnete Künstlern international, autonom  die Mauer zu gestalten. Viele gelangten dadurch zu Weltruhm. Dieser geniale Visionär hat verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten.  RESPECT MONTY !

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Warum wolltest  du 1989 die Grenzmauer auf der Ost-Berliner Seite bemalen lassen?

Ich wollte zuerst, dass es die größte Open Air Gallery wird und darüber hinaus,  ein Wahrzeichen von Berlin. Mit dem Hintergedanken, wie bekommst du Menschen an so eine grässliche Mauer, wo viele zu Tode gekommen sind. Ich wollte einfach, dass diese Mauer in Zukunft Menschen verbindet.

Im Januar 2015 kam der Dokumentarfilm  Berlin East Side Gallery in die deutschen Kinos. Wie fühltest du dich bei der Premiere im Kino Babylon ?

Naja, ich fühlte mich eigentlich ganz gut, dass in diesem Film Fakten festgehalten sind.  Aber es gibt ja noch anderes  Material und ich habe noch vieles mehr darüber zu sagen, als im Film. Als ich nach der Premiere im Foyer stand, haben mir einige anwesende Künstler die Hand gedrückt. Sie hatten die originalen Aufnahmen aus meiner damaligen Pressekonferenz in Ost- Berlin, die East Side Gallery ins Leben zu rufen, zum ersten Mal gesehen.

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Wenn Du zurück blickst, was würdest Du anders machen?

Ich würde alles wieder genau so machen.

Wenn Du in die Zukunft blickst, wie lautet Dein größter Wunsch?

Meine  Schmerzen loszuwerden, die ich rund um die Uhr habe. Das ist es in jedem Falle und die neuen Projekte , die törnen mich natürlich an. Es sieht hier bei mir schon völlig anders aus, als vor einigen Monaten.  Durch meine Behinderung im Grunde genommen bin ich  ohnehin mehr abhängig,  als du es sonst  bist. Du kannst nie etwas alleine schaffen. Du brauchst immer die Leute dazu,  um irgendwas auf die Socken zu stellen.

Wie machen sich die Folgen deines Unfalls von 2004 heute bemerkbar?

Ich bin außerordentlich gehbehindert und zu 80% arbeitsunfähig, nur der Kopf funktioniert gut. Die linke Gesichtshälfte ist gelähmt und daher habe ich Artikulationsschwierigkeiten, das hört sich dann  so doof an und die Leute denken ich habe einen kleinen Schwips und ich lispel auch manchmal. Das ist schon ein Handicap. Wenn du am Telefon zum ersten Mal im Gespräch bist und Du merkst dann die Artikulationsschwierigkeiten. Auch wenn ich laufe, ich laufe nicht gleichmäßig, ich laufe etwas wackelig seiltänzerisch. Das kommt durch die Lähmung, aber ein anderer der das nicht weiß, denkt sofort der hat aber n´ Kleinen genommen. Dein Gegenüber weiß nicht warum und denkt, Du hast Einen getrunken. Das ist blöd.  Das ist schon ein Problem und wenn Du jetzt davon ausgehst wieviel Menschen Vorurteile haben und das wird optisch bestätigt, hat aber einen ganz anderen Hintergrund, kommst Du sofort in diese Mühle hinein.

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Was würdest du hier im Seniorenheim schlagartig verändern?

Oh, da hab ich keine Antwort drauf, weil es so vieles geben würde vielleicht. So nach und nach hätte ich schon einen Einfall, das ist komplex. Du müßtest alles umreißen, um was Neues zu schaffen.  Man muß erst umdenken, um umreißen zu können, um was Neues zu schaffen. Zuerst halt umdenken. Also das muß dann schon Sinn haben. Man sägt keinen Baum um, der 100Jahre alt ist, um dann zu sagen, na da pflanz ich mal ein kleines Bäumchen hin. Ich laß lieber den Baum stehen und pflanze noch einen dazu. Naja, was meinst du, wie ich mich geärgert habe, als die Bäume hier vor dem Heim abgesägt wurden. Da gab es eine Bürgerinitiative, die das Abholzen verhindern wollte. Da habe ich gleich mitgemacht. Ich habe natürlich meine Unterschrift geleistet, das ist schon mal klar und dann haben wir uns in dem kleinen Park hier versammelt und diskutiert, wie wir das verhindern können. Wir hatten so gute Chancen, dass wenigstens der eine oder andere Baum hätte stehen bleiben können. Der Initiator hatte dann aber keine Lust mehr und so kamen sie und sägten die Bäume einfach ab. Ich hatte noch eine Idee, den einen Baum mit Biowaschseife zu beschmieren , das macht ja dem Baum nichts, aber der, der ihn anfaßt und umsägt, rutscht erstmal ab und hat wenigstens schmutzige Finger. Daraus wurde nichts. Glaubst Du dass wegen anderthalb Metern, es keinen Stau auf der Straße gibt? Das waren Bäume, die waren 100Jahre alt. Den 2. Weltkrieg haben die überstanden, aber nicht den Straßenbau in 2015.

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Wenn du darüber nachdenkst,  was sind deine Werte?

Erst mal ist für mich der andere Mensch wichtig,  ob ich ihn kenne oder nicht. Ich sehe da bisschen schwarz weiss. Für mich gibt es nur Böse und Gute, egal woher einer kommt, dann was wichtig ist darauf zu achten,  die Natur nicht zu schädigen, wenn es nicht notwendig ist. Vor allen Dingen, man soll mit Lebewesen respektvoll umgehen. Das versuche ich einzuhalten und zu vermitteln durch Aktionen.

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Was sagst du zum Thema Geld?

Geld ist für mich Mittel zum Zweck. Genauso wie du Essen brauchst, mußt Du auch Geld haben um aktiv zu werden.

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Wie lautet Deine Botschaft für die Menschen auf der Welt?

Geht respektvoll miteinander um. Wie können Menschen mit Menschen so respektlos umgehen, gerade die, die Respekt notwendig haben , die tritt man dann noch in den Hintern. Die Menschen die so respektlos mit den anderen umgehen, die achten weder die Natur, die achten keine Tiere und für die ist das oberste Gebot viel Geld zu haben, um Scheiße zu bauen. Die verwenden das nicht für sinnvolle Dinge, nur um Macht zu produzieren und den anderen zu erniedrigen, zu verletzen oder dergleichen. Solche Leute mag ich nicht. Findest du aber ganz schnell raus , kurze Unterhaltung und du weißt wo du stehst.

Interview 06.08.2015, Dave Monty, Constanze Ehrlich –  Photos: Oliver Rath


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