CRIMINAL COURT OF THE CITY OF NEW YORK

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Meine Tochter verabschiedete sich mit einer Träne in den Augen mit der bitte, dass ich wieder heil zu ihr komme. Ich liebe sie bis zu den Sternen und wieder zurück.

Mit knapp 16 Jahren wurde ich beim sprühen von der Polizei auf frischer Tat erwischt. Bei der Gerichtsverhandlung konnte ich das ausmass meiner Verhandlung auf MTV schieben, denn bei Music Television hatte ich schließlich die ersten Grafitties entdeckt.

Aber das ist kein vergleich mit dem Knast von New York. Sie galt einst als gefährlichste Stadt der Welt bis Bürgermeister Bloomberg unter andermen mit Gesetzen wie „stop and frisk“ und Rudolph Giuliani mit der Nulltoleranzstrategie, die Stadtsicherheit „revolutionierten“.

Graffiti und Streetart = Schwerverbrechen.

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Was für ein schöner Morgen im Central Park, die Vögel (sofern es welche gibt) zwitschern, während ich mit der besseren Hälfte meines Künstlerkollektives „Jan Ehret“ mit Hot Pants zwischen Hochhäusern und Natur jogge. Ich verspühre das Gefühl von Freiheit, überall grinsende, bleichgesichtige spiessige New Yorker, die seit den 70igern zwei derart freizügige Jungs in ihrem heiligen Park wohl vermisst haben.

Time Square, Heile Welt, Cops posieren schwerbewaffnet mit Touristen während Spiderman mit Robocop durch die Strassen zieht.

Zwei Blocks weiter komme ich auf die glorreiche Idee einen meiner Aufkleber auf einer Laterne zu plazieren. Ein Relikt, das seit „Rudolph Giuliani “ in New York gleichermassen wie Graffitti gehandet wird (wenn man das weiss).

Adrenalin fliesst in meinen Kopf nachdem mich ein scheinbar freundlicher Amerikaner von der Seite anquatscht. Er packt meinen Arm und boxt mich mit seinem ebenfalls wie ein Schwein aussehenden Kollegen auf den Boden.

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Gekidnappt, ausgeraubt und verschleppt nach nur 2 Tagen Aufenthalt in der einst gefährlichsten Stadt der Welt. Keiner nimmt auf den Strassen New Yorks meine Hilferufe war. Mein Kopf klebt blutüberströmt am Boden bis zwei Handschellen klackern und eine American Stimme “Police“ laut wird. Im NYPD Auto finde ich mich wieder, nach dem ich wie ein Stück Vieh abgeführt wurde. Meine Kaputze muss ich aufbehalten, damit niemand meinen verbluteten Kopf sieht. In der miesesten 2.00 x 1.50 qm Zelle, die ein Meinsch jemals aus Vekalien und Kakerlaken erbaut hat, finde ich mich wieder. Die Knasttüren knallen, Wärter laufen mit ihren abschreckenden Schlüsseln entlang. Es wird gekeucht, gehusten, gekotzt, geschriehen, erbrochen. Suizidgedanken kommen auf, wenn du stundenlang eine Wand ansiehst in der die Hilferufe der Gefangenen mit den Fingernägeln eingekratzt sind. Der Boden ist voller Blutkrusten und kleiner Kakerlaken.

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Es riecht so sehr nach Pisse und Scheisse, dass ein Dauer-Brechreiz unvermeidbar ist. Wasser kommt aus einem Hahn tropfenweise knapp über dem verkotztem Waschbecken, darunter das verschissene Klo. Mein Zeitempfinden schwindet. Zusammengekauert liege ich in meinem zerissenem T-Shirt wie ein Embrio eingerollt, um mich irgendwie zu wärmen. Ein Officer kommt und erklärt mir „Oliver Rath, you are in big trouble right now, you hit an Officer. Ein schwerer Vorfurf der mich bis zu 2 Jahren Haft kostet. Nach über 10 Stunden Miniatureinzelzelle werde ich an Ketten zusammen mit 12 anderen Gefangenen in ein NYPD Sicherheitsauto abgeführt. Es gibt immer noch kein Wasser. Meine Kehle ist ausgetrocknet. Nulltolleranzstrategie. Über eine Stunde stehen 12 Gefangene angekettet mit dem Rücken zur Wand und warten auf ihre Verbrecherfotos.

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 Was mein Freund Jan Ehret jetzt macht? Haben sie Ihn auch geschnappt? Ich schäme mich, hab ich ihn doch einst gefragt ob er Lust auf ein Abenteuer hat.

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Ca. 160 Gefangene in 6 Zellen macht 26,6 Gefangene an den Gittern rüttelnd gegenüberliegend. In jeder Zelle gibt es einen Anführer, ich nehme all meinen Mut zusammen und stelle mich vor ihn. „You know where I´m from? „Berlin“ The City where you can sticker everywhere, you can drink alcohol on the streets and you know what, you can smoke weed wherever you want. Der Boss brüllt den ganzen Laden zusammen, mir wird kalt – vielleicht habe ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt- „Thats my white nigger from Berlin“. Mit Tabakresten aus den Jacken und Hosentaschen wird mit Klopapier und Papierresten Crack zu meiner begrüßung geraucht. Das Feuerzeug wird von Zelle zu Zelle geschmissen. Eben noch down mit dem Boss hatt der nächstgrössere ihm die Fresse vor meinen Augen Blutig poliert. Warum sollte ich helfen, er war mir sowiso unangenehm. Ich versuche mir vorzustellen, dass das alles nur ein schlechter Film ist und der Fekaliengeruch und die Kakerlaken auch nicht echt sind. Alle 8 Stunden gibt es Käsebrot mit einer kleinen Tüte Milch. Klorverseuchtes Wasser sollen wir aus dem Hahn über den Verschissenen Toiletten trinken. Für 2 Dollar verkaufen die Cops 2 Lagen Klopapier für einmal Arschabwischen. Der Boss putzt sich damit die Nase. Es ist 4 Uhr Nachts aber immernoch taghell im Neonlicht mit 26 Gefangenen in einer Zelle. Immer wieder werden 2-3 Gefangene von einer Liste aufgerufen, um vor Gericht zu erscheinen. Nach über 33 Stunden werde ich endlich aufgerufen und 3 Stockwerke höher, in einen schicken Gerichtssaal voller Anwälte abgeführt.

Meiner heisst Daniel Tessler.

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Die Gerichtsverhandlung vertagt meinen Fall auf den 15ten Dezember.

Eine Stunde später bin ich Frei wie ein Vogel und umarme meinen Freund Jan Ehret.

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